Australien Outback
Als „Outback“ bezeichnen die Australier die Gegenden des Landes, die fernab von jeglicher Zivilisation liegen. Die deutsche Übersetzung könnte sein:
Ende der Welt, was aber nicht ganz zutreffend ist, da es sich um immerhin 75% der Fläche des Kontinents handelt. Aus TV-Serien wie „McLeods Töchter“ meint man es zu kennen. Doch wie sieht es wirklich aus, wie leben die Menschen so mitten im Nirgendwo?
Durch einen mehr als glücklichen Zufall hatten meine Freundin und ich auf unserer Reise die Möglichkeit, am Leben im Outback einmal live teilzunehmen.
Wir befinden uns in der Nähe des Currawilla Waterhole auf einer so genannten Cattle-Station (Rinderfarm). Es ist 5.00 Uhr, der Wecker klingelt, Zeit zum Aufstehen.
Bereits jetzt ist es sehr warm und die Sonne brennt auf der Haut und bis zum Mittag wird die Temperatur auf 45 Grad steigen. Der feine, leicht rötliche Sandstaub ist überall und um uns herum das Nichts mit einer fast schon beängstigenden Stille: Fünf Stunden vom nächsten Ort entfernt und bis dorthin viel roter Sand, ein paar Büsche, einige Rinder, Milliarden von Fliegen, diverse Echsen und ähnliches Getier, und wir mittendrin.
Die Tage verlaufen alle gleich: Frühes Aufstehen, Tiere füttern, einen so genannten Morning Tea (Minimalfrühstück) einnehmen, Farmarbeit. Um fünf am Nachmittag erscheinen die Jungs, die als Saisonarbeiter zum Eintreiben der Rinder herkommen. Jedoch preschen sie nicht auf rassigen Pferden heran, sondern fahren müde, dreckig und hungrig mit ihren Motorbikes vor.
Die Abendstunden verlaufen ruhig: Diner, einige Bier, ein paar Drinks, eine Runde Billard, ein Plausch mit den Jungs, die einen deftigen Slang gebrauchen, der nur noch entfernt mit unserem Schulenglisch verwandt ist, und dann früh ins Bett. Und was kommt nun auf den Tisch, ein abwechselungsreiches Diner mit Obst und Gemüse?
Nein, nicht wirklich, denn Hauptnahrungsmittel auf einer Cattle-Station ist Fleisch, und zwar das der eigenen Rinder: Regelmäßig werden einige der Tiere für den Eigenverbrauch geschlachtet. Dies passiert ganz schnell mit einem Gewehr, alles weitere wird dann mit dem Messer erledigt. Was nicht sofort verspeist wird, wandert zu den Biervorräten und einigen verschrumpelten Möhren und Kartoffeln in eines der Kühlhäuser.
Auch in der Speisekammer finden wir nur wenig Obst und Gemüse schon gar nicht. Wir haken nach und erfahren, dass es normal sei sich so zu ernähren. Einseitige Ernährung, Cholesterin? Kein Thema. Ein Barbecue hier, ein Barbecue da, und ab und zu auch mal ein paar Kilo gekochtes Fleisch. Für uns unvorstellbar und eintönig, für die Jungs ganz normal.
In der Speisekammer stapeln sich die Vorräte und einiges stammt noch aus dem letzten Jahrtausend. Aber wen wundert es, wenn man bedenkt, dass diese Familie zum Einkaufen ca. 9 Stunden Autofahrt (pro Strecke) auf sich nehmen muss und auch dann nicht die volle Bandbreite an Lebensmitteln bekommt. Wir sprechen hier nämlich nicht von einem Supermarkt, sondern lediglich von einem dörflichen Krämerladen.
Die Kinder der Familie bekamen in früheren Jahren Privatunterricht im Bauwagen, heute gehen sie auf ein Internat. Nur so ist Bildung im Outback möglich. Sie können ihre Eltern nur in den Ferien besuchen und auch dann erwartet sie nichts als die Einöde. Dennoch scheinen sie es wirklich zu lieben, das Leben fernab vom Rest der Welt.
Die Frau des Hauses erklärt uns, dass es gerade die Ruhe sei, die sie so sehr fasziniert, der Blick in die weite Ferne, ohne das Gedränge der Menschen. Sie spricht dabei von „ihrem“ Australien, einem Australien ohne Touristen und Einwanderer aus Asien, die ihre Sprachen und Kulturen importiert haben.
Wir fragen, wie es in Notfällen abläuft. Jedes Haus verfügt über ein Funkgerät und ist registriert für Hubschraubereinsätze. Gegengifte für verschiedene Schlangen und die wichtigsten Medikamente werden bevorratet. Uns wird auch erzählt, dass die Kinder (wir haben es bei dem 12-jährigen Sohn selbst miterleben dürfen) schon in frühen Jahren das Autofahren lernen, um im äußersten Notfall selbst fahren oder Hilfe holen zu können.
Bis zu den nächsten Nachbarn sind es zwar viele Kilometer, aber trotz der großen Entfernungen wird der Kontakt gepflegt und im Ernstfall ist spontane Hilfe selbstverständlich.
Es ist für uns nach wie vor unglaublich, wie unterschiedlich die Menschen in Australien leben. Dennoch scheinen die meisten ihr Glück gefunden zu haben.

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